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DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich

Soziale Dienstleistungen für Menschen mit Behinderung.

Selbstbestimmt arbeiten – selbstständig leben

Dieses Ziel konnte Lukas Ludwig, ein junger Mann aus der Eifel, zu Beginn des Jahres 2017 erfolgreich erreichen. Gemeinsam mit der Familie des Weingutes Martin Prüm und unterstützt durch das Job-Mentoring des DRK-Sozialwerkes Bernkastel-Wittlich konnte für Herrn Ludwig ein fester Arbeitsplatz geschaffen werden. Zielführend war hier von Beginn an die individuelle Herangehensweise aller Beteiligten in Form des „Ambulanten Berufsbildungsbereiches“.

Das Foto zeigt Annika Lagodka, Lukas Ludwig, Szilvia Hampel und Martin Prüm

Im Jahr 2014 schloss Lukas Ludwig die Förderschule in Bernkastel-Kues ab und es stellte sich die Frage, wie es in seiner beruflichen Zukunft weiter gehen könnte. Aufgrund seiner Lernbehinderung kam eine reguläre Berufsausbildung nicht in Frage.

Aus einem früheren Praktikum während der Schulzeit bestand bereits enger Kontakt zum Winzerbetrieb Martin Prüm. Hieraus entstand auch der Berufswunsch bei Herrn Ludwig in einem Weingut zu arbeiten. Durch die Initiative von Martin Prüm Herrn Ludwig in seinem Betrieb langfristig zu integrieren, entstand der Kontakt zu Herrn Koltes, Rehaberater der Agentur für Arbeit Trier, und zum Leistungserbringer DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich. Gemeinsam wurde für Herrn Ludwig das passende Unterstützungsangebot gefunden und realisiert. Wichtig war von Beginn an die größtmögliche Selbstbestimmung von Herrn Ludwig. Dies betraf in erster Linie seinen Berufswunsch, die Wahl des Betriebes sowie die Form der Unterstützung. Durch das Angebot des DRK-Sozialwerkes in Form des "Ambulanten Berufsbildungsbereiches" konnte Herr Ludwig ganzheitlich wie auch individuell von den Mitarbeitern des Job-Mentorings begleitet werden.

Im Februar 2015 begann Herr Ludwig schließlich sein Praktikum in Herrn Prüms Weinbaubetrieb in Brauneberg an der Mosel. Ziel war es Herrn Ludwig über das praktische Arbeiten zu qualifizieren und Schritt für Schritt an die Anforderungen des Berufsfeldes heranzuführen. Die theoretischen Inhalte wurden auf das Notwendigste reduziert und eine engmaschige Anleitung und Begleitung der praktischen Tätigkeiten fokussiert. Unterstützt wurden Lukas Ludwig sowie der Betriebsinhaber Martin Prüm durch die Job-Mentorinnen Annika Lagodka und Szilvia Hampel. Diese trainierten mit ihm nicht nur berufliche Inhalte. Der zukünftige Arbeitgeber suchte mit Unterstützung des Job-Mentorings erfolgreich nach einer Wohnung für Herrn Ludwig, von der aus er den Betrieb mit dem Fahrrad erreichen konnte. Auch lebenspraktische Inhalte, wie beispielsweise das Lesen einer Uhr und die Steigerung seiner sozialen Kompetenzen wurden mit Herrn Ludwig eingeübt. Letztendlich konnte ein Umfeld geschaffen werden, dass es ihm ermöglicht, nachhaltig im Betrieb Fuß zu fassen.

Bei positivem Praktikumsverlauf bestand von Beginn an seitens Herrn Prüm die Möglichkeit zur Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. In den insgesamt 20 Monaten seines Praktikums zeigte sich Herr Ludwig so engagiert und motiviert, dass zum 01.01.2017 der Arbeitsvertrag unterschrieben werden konnte. Durch die Eingliederungshilfe der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich konnte mit dem "Budget für Arbeit" eine dauerhafte, finanzielle Förderung gewährt werden. Dies ermöglicht es Herrn Prüm, Lukas Ludwig langfristig im Betrieb zu beschäftigen. Herr Ludwig zeigt sich weiterhin sehr ehrgeizig was seine berufliche Zukunft angeht: So lernt er aktuell für den Traktorführerschein, um im Betrieb noch weitere Aufgaben übernehmen zu können.

 

Info "Job-Mentoring":

Job-Mentoring ist eine umfassende Hilfestellung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Die Maßnahme erfolgt als "Individuelle betriebliche Qualifizierung" (InbeQ). Im oben genannten Fall wurde die individuelle Lösung aufgrund besonderer Voraussetzungen als "Ambulanter Berufsbildungsbereich" erbracht. Im Job-Mentoring begleiten erfahrene Fachkräfte Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen auf dem Weg in ein stabiles sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Diese besondere Form der "Individuellen betrieblichen Qualifizierung" basiert auf den Grundsätzen der "Unterstützten Beschäftigung".

Ziel des Job-Mentor-Konzeptes ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen, unabhängig von Art und Umfang der Behinderung, in ein für sie geeignetes Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu begleiten sowie dieses langfristig zu erhalten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten hierüber von Beginn an die Möglichkeit, eigene berufliche Neigungen und Fähigkeiten in Erprobungsbetrieben auszutesten. Anders als bei traditionellen Qualifizierungsprojekten steht am Anfang somit die Arbeitsplatzbeschaffung. Daran anknüpfend folgen dann die berufliche Orientierung und Vorbereitung für den Arbeitsplatz durch Qualifizierung im Betrieb. Am Ende des Prozesses steht die langfristige Stabilisierung des Arbeitsverhältnisses.

15. März 2017 08:43 Uhr. Alter: 128 Tage